Was ist Diabetes

Sie sind hier: diabetikerbund-berlin.org / Startseite / Was ist Diabetes

Was ist das für eine Erkrankung?

In Deutschland leben zirka 7 – 8 Millionen Menschen mit Diabetes. Das sind fast 10% – Tendenz steigend.

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die unbehandelt zu einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel führen kann.

Im Volksmund heißt sie auch heute noch Zuckerkrankheit. Heutzutage spricht man von folgenden Formen des Diabetes:

Diabetes Typ 1

Dieser Diabetes-Typ ist eine Insulinmangelerkrankung. Die Ursache dafür ist die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse.
Folgende Gründe können zu einem Diabetes Typ 1 führen:

  • Vererbung
  • Virusinfekte
  • Rotaviren (Impfung gegen Rotaviren kann evtl. TD1 verhindern)
  • ungesicherte Erkenntnisse über Zusammenhänge mit Ernährung und weiteren seltenen Krankheiten

Diabetes Typ 2

Die weit häufigere Form, der Diabetes Typ 2, wird als eine Insulinwirkstörung bezeichnet. Mittlerweile erkranken auch sehr junge Menschen bereits an Diabetes Typ 2. Dafür können erbliche Faktoren, Übergewicht durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel aber auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Es ist handelt sich dabei um eine Art Insulinfreisetzungsstörung oder auch um eine Insulinproduktionsstörung. Oft liegt eine Insulinresistenz vor.

Diabetes Typ 3

Zu dieser Gruppe gehören andere  Diabetestypen mit unterschiedlichsten Ursachen:

  • Typ 3c: Erkrankung des Pankreas
  • Typ 3e: medikamentös verursachter Diabetes (z. B. durch hohe Kortisongaben)
  • Typ 3a, 3b, 3h: genetische Defekte
  • Typ 3d, 3f: andere Gründe wie hormonelle Störungen, Infektionen

Diabetes Typ 4

Schwangerschaftsdiabetes

Wird oft auch als Gestationsdiabetes oder Gestationsdiabetes mellitus bezeichnet und im Zuge der Neudefinition der Diabetestypen als Diabetes Typ 4 behandelt.

Die Glukosetoleranzstörung wird erstmal in der Schwangerschaft festgestellt und bemerkenswert ist, dass die für einen frisch diagnostizierten Diabetes bekannten Symptome wie starker Durst, oder häufiges Wasserlassen fehlen.

Es gibt aber andere Anzeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes:

  • Größere Menge an Fruchtwasser
  • Erhöhter Blutdruck
  • Erhöhter Zuckergehalt im Urin
  • Hohe Anfälligkeit für Blasenentzündungen
  • Erhöhte BZ-Werte

Manchmal können diese Komplikationen während der Schwangerschaft zu Entwicklungsstörungen des Babys führen, die Geburt wird erschwert und das Baby kann während der Schwangerschaft sehr groß werden.

Ältere und übergewichtige Frauen tragen ein größeres Risiko an einem Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken.

Wie ändert sich mein Leben mit Diabetes?

Wer die Erkrankung Diabetes hat, muss sich nicht nur mit Fragen zur Therapie, der Überwachung der Blutzuckerwerte, den möglichen akuten und chronischen Komplikationen und evtl. später mit den Folgeschäden auseinandersetzen.

Deshalb ist es für die Betroffenen ganz wichtig, sich Schritt für Schritt an ihr neues, anderes Leben mit der Krankheit im Alltag einzurichten. Psychischen Belastungen wie Ängste und Depressionen oder auch soziale Folgen, Notfallsituationen (Hypo- oder Hyperglykämie) beeinträchtigen Menschen mit Diabetes. In der Schule, in der Ausbildung und auch im Arbeitsleben wirft diese Erkrankung bei Betroffenen eine Vielzahl an Fragen auf und führt nicht selten zu sozialer Diskriminierung und zu Nachteilen.

Die Betroffenen müssen lernen, selbst mit ihrer Krankheit umzugehen und sie bestmöglich in ihren Alltag zu integrieren. Eine strukturierte Schulung und praktisches Training sind daher wichtige Bestandteile der Diabetes-Therapie. Zentrale Themen sind dabei Blutzuckermessung, Umgang mit FGMs und CGMs ganz besonders wichtig ist der richtige Umgang bei der Ernährung. Suchtverhalten, wie Rauchen oder Alkohol sollte der Betroffene so gut es geht loswerden, weiterhin ist es unbedingt wichtig eine Steigerung der körperlichen Aktivität zu starten und die Stressbewältigung sollte durch gute praxisnahe Strategien bewältiget werden können.

Das Leben mit dieser chronischen Erkrankung erfordert Disziplin und auch heute noch Verzicht auf so manches. Bedenkt man diese Notwendigkeit ein wenig im Alltag, dann ist das Leben auch mit dieser Erkrankung lebenswert!

BZ-Werte und Messen

Was ist ein Blutzuckerwert

Blutzucker ist der Glukosespiegel (Zuckeranteil) im Blut. Zucker im Blut ist lebenswichtig für die Körperzellen. Er wird vom Körper für seine Energieversorgung benötigt.

Nur das Hormon “Insulin” versetzt den Körper in die Lage, den Zucker aus dem Blut in die Körperzelle zu transportieren. Insulin fungiert damit als Schlüssel, um die Körperzelle für den Zucker aufzuschließen.  Wenn zu wenig oder gar kein Insulin vorhanden ist, bleibt der Zucker im Blut, das dadurch dickflüssig wie Honig wird.Trotz durch den Zucker vorhandener Energie im Blut kann die Körperzelle diese Energie nicht aufnehmen und der Betroffene, dessen Körperzellen somit unterversorgt sind, fühlt sich schwach, müde und durstig.

Wie kommt der Zucker ins Blut? Natürlich durch unsere Nahrungsaufnahme. Hauptsächlich führt der Verzehr von Kohlenhydraten zu einem schnellen Blutzuckeranstieg. Eiweiß und Fett spielen zunächst eine untergeordnete Rolle.

Bei einer behandelten “Zuckererkrankung (Diabetes mel.)”, egal ob durch eine Tabletten- oder Insulintherapie, gibt es große Unterschiede in den Werten.

Bei der Interpretation von gemessenen Blutzuckerwerten spricht man von Unterzucker, Normalbereich und Überzucker.

Hierbei sollte man darauf achten, ob diese Werte vor oder nach einer Mahlzeit bestimmt wurden.

Weitere Faktoren, die sich auf den Blutzucker auswirken sind:

  • Sport
  • Erkrankungen
  • Stress
  • Menstruation
  • usw.

Bei der Beurteilung des Blutzuckerwertes sollten zusätzlich bevorstehende Aktionen im Auge behalten werden zum Beispiel eine Wanderung, sitzende Tätigkeiten usw..

Kurzzeitwert

Den aktuell gemessenen Blutzuckerwert bezeichnet man als Kurzzeitwert, da er den derzeitigen Zuckerwert im Blut widerspiegelt.

Folgende Werte geben eine Orientierung:

Bitte beachten Sie, dass die o. g. genannten Grenzwerte nicht generel für alle Diabetes-Patienten gelten, sondern sie sind abhängig von der individuellen Diabetes-Erkrankung des Patienten und der vom Arzt darauf abgestimmten Therapie.

Umrechnungstabelle Blutzuckerwerte in mg/dl und mmol/l

Langzeitwert

Hinter dem Begriff “Langzeitwert” versteckt sich folgende Beschreibung:

Der Blutzuckerlangzeitwert wird auch als HbA1c-Wert bezeichnet, welcher den durchschnittlichen Zuckergehalt im Blut der vergangenen 8-10 Wochen widerspiegelt. Bei gesunden Menschen  sollte der HbA1c Wert zwischen 5 bis 6% betragen – ein gut eingestellter Diabetiker zwischen 6 und 7,5% und die Werte, die darüber hinaus gehen, könnte man schon als eine schlechtere Enstellung für einen Diabetiker bezeichnen.

Gemäß der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) ist die Spezifität eines HbA1c ≥ 6,5 % groß genug, dass damit die Diagnose Diabetes mellitus gestellt werden kann. Die Sensitivität eines HbA1c < 5,7 % ist groß genug, dass damit der Ausschluss der Diagnose Diabetes mellitus möglich ist.

Das HbA1c wird bei Patienten mit Diabetes mellitus alle drei Monate gemessen. Das Ziel der Therapie besteht darin, dass der HbA1c-Wert unter 7 bis 8 % bleibt, um potenzielle Spätfolgen dieser Erkrankung möglichst lange hinauszuzögern bzw. zu vermeiden.

So messen Sie den Blutzuckerwert

Messen mit Stechhilfe und Messgerät

Die blutige Messung des Blutzuckers sollte möglichst einfach und schmerzfrei, dennoch zuverlässig und korrekt durchgeführt werden.

Grundsätzlich sollten vor einer Messung die Hände gewaschen und gut abgetrocknet werden. Die Teststreifen sollten immer in der Originalpackung,aufbewahrt werden und die Stechhilfe bzw. die Lanzette sollte nach jeder Messung gewechselt werden. Ganz wichtig ist die Einstellung der richtigen Stechtiefe am Stechgerät.

Die Blutentnahme für die Blutzuckermessung kann man an der Fingerkuppe bzw. Fingerbeere oder auch am Ohrläppchen vornehmen.

Weniger schmerzhaft erscheint der Stich, wenn man an der Seite der Fingerkuppe bzw. Fingerbeere die Stechhilfe ansetzt.

Bei kalten Händen empfiehlt sich das Massieren der Hände oder das Waschen unter warmen Wasser bevor man die Blutentnahme vornimmt.

Vor der Blutentnahme muss ein zum Testgerät passender Teststreifen in die Lanzettenöffnung des Messgerätes gesteckt werden. Meist zeigt ein Piepston an, dass das Testgerät zur Blutzuckermessung bereit ist. Die Spitze des Teststreifens wird in den Blutstropfen eingetaucht und sofort beginnt das Gerät mit der Messung. Je nach Gerät und Einstelltung wird der Wert im Display des Testgerätes angezeigt oder angesagt und abgespeichert.

Warum und wann müssen Diabetiker den Blutzucker messen

Ganz wichtig ist eine gute “Einstellung” des Blutzuckerspiegels, um evtl. Folgen oder Spätfolgen zu vermeiden. Dafür benötigt der Patient (und der Arzt) eine gewisse Übersicht und Kontrolle, um eine effektive Therapie für sich (für seinen Patienten) zu ermitteln. Diese Übersicht erfolgt durch die aufgezeichneten Tagesprofile bzw. durch die in den Messgeräten abgespeicherten “Tagebücher”.

Bei der Durchsicht und Besprechung dieser Aufzeichnungen mit dem Arzt oder seinem Berater bekommt der Patient einen Überblick, wann und bei welcher Aktion der Blutzucker besonders steigt oder fällt. Kritisch sind dabei sowohl zu hohe als auch zu niedrige Werte, Das regelmäßige Messen des Blutzuckers und die Interpretation der Wochenprofile bewirkt eine steuerbare Diabetestherapie und somit können leichter Unterzuckerungen oder langanhaltende Überzuckerungen vermieden werden.

Messen ohne zu stechen

Seit einigen Jahren gibt es zur Erleichterung vieler Diabetiker (besonders der Typ 1-Diabetiker) deren Diabetologen, Berater und Angehörige, die neuen CGM- Systeme.

Was bedeutet dieser Begriff “CGM”?

Es ist ein englischer Name und bedeutet ausgesprochen:

Continuous Glucose Monitoring, was auf deutsch mit kontinuierlicher Zuckerüberwachung übersetzt werden kann.

Für diese Art der Zuckermessung trägt der Betroffene einen Sensor an geeigneten Körperstellen (Oberarm, Bauch, Oberschenkel).

Die Sensoren arbeiten über Funk mit bestimmten Lesegeräten oder direkt mit den Insulinpumpen zusammen. Der Betroffene bekommt den aktuellen Zuckerwert auf dem Display angezeigt.

Ernährung

Ernährungsempfehlungen für Diabetiker

Im Prinzip kann man sagen, dass eine diabetesgerechte Ernährung den allgemeinen Regeln einer gesunden Ernährung entspricht. Bei dieser „Stoffwechselerkrankung spielen aber Essen und Trinken eine ganz besondere Rolle. Oft ist die Umstellung auf eine gesunde und hochwertigere Ernährung schon die erste Behandlungsmaßnahme. Je nach Diabetestyp kann eine Ernährungsumstellung oder eine notwendige Gewichtsabnahme zu einer deutlichen Verbesserung des Blutzuckerspiegels und damit auch des Gesundheitszustandes führen!

Gemüse und Salate, Vollkornprodukte, Nudeln und Reis sowie fettarme Milchprodukte sind die Grundlagen einer guten Ernährung für Diabetiker.

Proteine

  • für Patienten ohne Anzeichen einer Nephropathie: 10–20% der Gesamtenergie in Form von Protein
  • Typ1-Diabetiker mit Merkmalen einer manifesten Nephropathie: Begrenzung der Proteinaufnahme auf maximal 0,8 g/kg Normalgewicht/Tag

Fett

  • Gesamtfettaufnahme nicht über 35 % der Gesamt energie; bei Übergewichtigen kann eine Fettaufnahme unterhalb von max. 30 % die Gewichtsabnahme erleichtern
  • gesättigte und trans-ungesättigte Fettsäuren: zusammen unter 10% der Gesamttagesenergie
  • mehrfach ungesättigte Fettsäuren: nicht mehr als 10% der Gesamttagesenergie
  • Verzehr von 2–3 Portionen Fisch (v. a. fetter Fisch) und pflanzliche Öle wie Raps-und Leinöl stellen eine angemessene Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren sicher
  • Aufnahme von Cholesterin sollte 300mg/Tag nicht überschreiten

Kohlenhydrate

  • die Kohlenhydrataufnahme sollte bei 45–60% der Gesamtenergie liegen
  • die Aufnahme freier Zucker sollte 10 % der Gesamtenergie nicht überschreiten
  • Diabetiker mit Insulinbehandlung oder oralen Antidiabetika sollten Zeitpunkt und Dosierung der Medikation mit der Menge und Art der Kohlenhydrate abstimmen

Ballaststoffe

  • die Ballaststoffaufnahme sollte bei 20 g pro 1.000 kcal/Tag liegen
  • um die wünschenswerte Menge an Ballaststoffen zu erreichen, sind Vollkorngetreideprodukte, Gemüse und Obst zu bevorzugen

Vitamine

  • um die wünschenswerten Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen zu erreichen, ist der reichliche Verzehr von Gemüse, Obst, Mineralstoffen und Vollkornprodukten sowie der moderate Verzehr von fettarmen Milchprodukten, fettem Fisch und magerem Fleisch zu empfehlen

Alkohol

  • bis zu 10 g/Tag bei Frauen und bis zu 20 g/Tag bei Männern sind akzeptabel
  • bei Diabetikern mit Übergewicht, Hypertonie oder Hypertriglyzeridämie sollte der Alkoholkonsum weitestgehend eingeschränkt werden.

Quelle: Diaita–Zeitschrift für Diätetiker Nr. 2, 1/2006, modifiziert nach Toeller et al., Deutsche Diabetes Gesellschaft e. V.

Folgeerkrankungen

Die häufigsten Folgeerkrankungen:

Ein schlecht eingestellter oder ein unbehandelter Diabetes zieht Folgeerkrankungen nach sich. Hier nennen wir die häufigsten Folgeerkrankungen, die aufgrund von Durchblutungsstörungen bekannt sind:

  • Diabetisches Fuss-Syndrom
  • Diabetische Nephropathie
  • Diabetische Polyneuropathie
  • Diabetische Retinopathie
  • belastetes Herz-Kreislauf-System: Schlaganfall, Herzinfarkt
  • Sexualstörungen

Um diese Schäden zu vermeiden ist die Grundvoraussetzung eine gute Einstellung des Blutzuckers, aber auch die bereits erwähnten Maßnahmen, wie eine gesunde Ernährung und Bewegung. Nicht zu vergessen sind die regelmäßigen Besuche bei den entsprechenden Ärzten.

Folgende medizinische Fachgebiete können bei einer Diabeteserkrankung hilfreich sein:

  • Diabetologe
  • Internist
  • Augenarzt
  • Nephrologe
  • Neurologe
  • Kardiologe
  • Urologe

Das Diabetische Fuß-Syndrom:

Eine tückische Folgeerkrankung ist gerade bei den älteren Typ2-Diabetikern der Diabetische Fuß. Diese schwere Langzeitkomplikation entsteht, wenn durch einen jahrelang erhöhten Blutzuckerspiegel größere Schädigungen der Nerven und Blutgefäße in den Beinen verursacht werden.

Kleinste Verletzungen heilen nur schlecht ab, betroffene Stellen infizieren sich leicht, dort entwickeln sich oft tiefe Geschwüre, die sich bis auf den Knochen ausbreiten können. Im schlimmsten Fall kann eine Amputation erforderlich sein. Man sagt, dass rund 70% der Amputationen in Deutschland Diabetes-Patienten betreffen. Sicherlich gibt es heutzutage verschiedene Möglichkeiten eine Amputation hinauszuzögern. Menschen mit Diabetes sollten besonders gut auf ihre Füße achten und entsprechende Maßnahmen zur Vorbeugung beherzigen.

Der Begriff „Diabetisches Fuß-Syndrom“ (DFS) bezeichnet man Symptome, die im Bereich der Füße und Unterschenkel auftreten, die sich infolge einer längeren Diabeteserkrankung entwickeln können.

Dazu zählen z. B.:

  • Fußverletzungen (Läsionen)
  • Tiefe Geschwüre (Ulzera, mit oder ohne Infektion)
  • Schwäche der Fußmuskulatur
  • Verformungen des Fußes bzw. der Zehen (Krallenfuß)
  • Charcot-Fuß (Diabetische Neuro-Osteoarthropathie, DNOAP): Besonders schwere Form des diabetischen Fußes, bei der es zu Veränderungen des knöchernen Fußskeletts kommt. Diese werden von den Betroffenen oft erst spät durch die begleitenden Rötungen,Schwellungen oder Fehlstellungen bemerkt.
  • Gangrän: Gewebsnekrose, also Absterben von Gewebe durch Mangeldurchblutung

Diabetische Nephropathie:

Die Diabetische Nephropathie ist eine progressive Nierenerkrankung aufgrund einer Gefäßkrankheit der feinen Haargefäße des Nierenkörperchens. Man bezeichnet sie auch als “Einschränkungen der filtrativen Nierenfunktion”.

Die besondere Symptomatik bei der diabetischen Nphropathie ist:

  • erhöhte Proteinausscheidung im Urin (Albuminurie)
  • Verminderung der Blutalbumine best. Eiweiße im Blutplasma – Hypoalbuminämie)
  • Vermehrung der Blutfette (Cholesterinerhöhung – Hyperlipidämie)

Das Risiko der Nephropathie ist beim Typ-1- und Typ-2-Diabetes gleich hoch. Wegen der größeren Häufigkeit des Typ-2-Diabetes steht die Nephropathie bei dieser Patientengruppe zahlenmäßig im Vordergrund.

Die Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft besagen, dass eine Mikroalbuminurie besteht, wenn bei zwei von drei Untersuchungen des 24-Stunden-Harns die Albuminausscheidungsrate zwischen 30 und 300 mg/Tag liegt. Da die Sammlung des 24-Stunden-Urins problematisch ist, wird in erster Linie die Untersuchung des Morgenharns empfohlen. Eine Albuminausscheidung von mehr als 300 mg/Tag wird als Makroalbuminurie bezeichnet.

Bei Typ-1-Diabetikern wird eine jährliche Untersuchung des Urins auf Albumin ab dem fünften Jahr nach der Diagnosestellung empfohlen, bei Typ-2-Diabetikern von Beginn an in jährlichem Abstand.

Diabetische Polyneuropathie:

Die diabetische Neuropathie kann bei allen Formen des Diabetes mellitus auftreten. Hierbei werden die Nerven angegriffen, die außerhalb des Gehirns und Rückenmarks liegen.

Sie kann sowohl den willentlich gesteuerten Teil des peripheren Nervensystems (somatisches Nervensystem) als auch das autonome Nervensystem (z. B. Regulation von Atmung, Herzfrequenz, Darmbewegungen) betreffen.

Der Betroffene bemerkt von der Neuotpathie kaum etwas, denn die Erkrankung ist schleichend und bedroht die Sensibilität (z. B. Tastsinn), die Mobilität und die Motorik.

In der Anfangsphase gibt es oft Missempfindungen und Taubheitsgefühl an den Füßen.

In der Regel sind ganze Körperpartien (Beine, Rumpf, innere Organe) gleichzeitig betroffen.

Behandlung der Polyneuropathie:

  • Therapie mit dem Ziel möglichst normaler Blutzuckerwerte
  • pathogenetisch begründbare Therapie
  • Schmerztherapie
  • Vermeidung von Risikofaktoren und Komplikationen

Das eine gute Zuckereinstellung die Grundlage der Behandlung einer Polyneuropathie ist, versteht sich von selbst. Als pathogenetische Therapie kommt evidenzbasiert im Alltag bislang lediglich die Alpha-Liponsäure in Betracht. Bei neuropathischen Schmerzen stehen vor allem Antidepressiva, Antiepileptika, schwache und – als Ultima ratio – starke Opioide sowie physikalische Maßnahmen im Vordergrund.

Das Therapiearsenal wurde zuletzt durch das Antidepressivum Duloxetin und durch das Antiepileptikum Pregabalin, einen spezifischen Blocker der Kalziumkanäle, ergänzt. Am Anfang einer adäquaten Therapie steht eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung mit dem Ziel, die Lebensqualität der Betroffenen dauerhaft zu erhalten.

Bedeutung der diabetischen Polyneuropathie: Eine Polyneuropathie kann teils quälende Schmerzen und erhebliche Ausfälle der Sensibilität bis hin zur Stand- und Gangunsicherheit hervorrufen. Sie geht mit funktionellen Einbußen wie reduzierter Gehfähigkeit einher.

Diabetische Retinopathie:

Die diabetische Retinopathie ist eine häufige Erkrankung der Netzhaut im Auges eines Diabetikers. Der Diabetes kann nach längerer Dauer und/oder dadurch anhaltend erhöhten Blutzuckerwerten die Blutgefäße der Netzhaut und deren Gefäßwände verändern und sogar zerstören. Man unterscheidet zwischen 2 Formen der Erkrankung:

Die nicht proliferative Retinopathie: – in der Regel gut behandelbar –

Hat ein Diabetiker über einen längeren Zeitraum erhöhte Blutzuckerwerte, so kommt es zu einer zunehmenden Schädigung der Netzhaut. Feine Ausbuchtungen bilden sich an den Gefäßwänden, diese nennt man Mikroaneurysmen. Platzen kleine Äderchen, so kann man in der Netzhaut typische punktförmige Einblutungen erkennen. Diese Form der diabetischen Retinopathie wird auch als nicht proliferative Retinopathie bezeichnet. “Nicht proliferativ” bedeutet, dass noch keine neugebildeten Blutgefäße wachsen. Oft ergeben sich in diesem Stadium noch keine oder nur leichte Sehstörungen, die gut behandelt werden können.

Die proliferative Retinopathie – nicht mehr so einfach behandelbar –

Unbehandelt kann der oben beschriebene Prozess fortschreiten und zu einer schweren Unterversorgung des Auges mit Sauerstoff führen. Das Auge versucht nun die Unterversorgung zu minimieren und bildet neue kleine Blutgefäße. Sie wachsen in den Glaskörper hinein, führen aber nicht zu einer besseren Sauerstoffversorgung der Netzhaut. Diese neugebildeten Gefäße sind sehr fragil und platzen sehr leicht. Es kommt zu Einblutungen in den Glaskörper. Die Betroffenen sehen dann alles verschwommen, wie durch einen Schleier. Diese sehr viel schwerwiegendere Form der Erkrankung kann bis zur Erblindung führen.

Die diabetische Makulopathie – ein weiteres Augenproblem:

Bei Mangeldurchblutung und Undichtigkeiten der kleinen Netzhautgefäße in der Makula, die als die Stelle des schärfsten Sehens bezeichnet wird, bildet sich eine Wasseransammlung, auch direkt in den Sehzellen, die für das Scharfsehen verantwortlich sind.

Es gibt neue medikamentöse Behandlungen in Form von Injektionen, eingespritzt in den Glaskörperraum. Eingesetzt wird entweder Kortison in Depotform (Triamcinolon) oder ein gefäßwachstumshemmender Antikörper (z.B. Avastin). Die Substanzen hemmen bei diabetischem Makulaödem die Gefäßleckagen und es kommt zu einem Rückgang der Netzhautschwellung. Noch größere Sehminderungen sind häufig so vermeidbar.

In der „Leitlinie Nr. 20 Diabetische Retinopathie“ ist folgende Definition notiert:

Stadien während des Diabetes mellitus:

  • keine diabetische Retinopathie
  • milde nichtproliferative diabetische Retinopathie
  • mäßige nichtproliferative diabetische Retinopathie
  • schwere nichtproliferative diabetische Retinopathie
  • proliferative diabetische Retinopathie
  • jeweils mit oder ohne diabetischer Makulopathie

Vorsorge und Kontrolle bei Diabetischen Augenerkrankungen

Jedem Diabetiker sollte bewusst sein: Je früher die diabetische Netzhaut-Erkrankung erkannt wird und je eher die Behandlung einsetzt, umso besser sind die Erfolgschancen.
Eine rechtzeitige Behandlung kann aber nur durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen gewährleistet werden. Bei Diabetikern ohne bisher bekannte Retinopathie je nach Risikofaktoren alle 12 oder 24 Monate, bei bestehender Retinopathie häufiger.
Wichtige Faktoren für einen günstigen Verlauf der Erkrankung und zum Schutz gegen eine diabetische Retinopathie sind:

  • normales Körpergewicht
  • Verzicht auf Nikotin- und übermäßigen Alkoholgenuss
  • gute Einstellung der Blutzuckerwerte
  • gute Blutdruckwerte

Therapie:

Durch Augenhintergrundspiegelung und ggf. weiteren bildgebenden Verfahren kann ein Augenarzt beginnende oder bereits größere Gefäß- und Netzhautveränderungen erkennen. So kann er mit einer gezielten Therapie dem weiteren Fortschreiten der diabetischen Retinopathie vorbeugen. Ist das Laserverfahren nicht mehr ausreichend hilfreich oder gibt es bereits fortgeschrittene Netzhautveränderung mit heftigen Einblutungen oder ist bereits eine Netzhautablösung eingetreten, so kommt die Glaskörper-Operation (Vitrektomie) zum Einsatz. Sie ist eine wirksame Maßnahme, um Blutungen zu entfernen, die Gefäßneubildungen direkt abzutragen und eine abgelöste Netzhaut wieder anzulegen.

Belastetes Herz- Kreislaufsystem: Herzinfarkt, Schlaganfall

Der Herzinfarkt:

Patienten mit Diabetes haben neben dem Vorliegen von Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung ein stark erhöhtes Risiko, durch vorzeitige Alterung der Blutgefäße an Herz-Kreislauf-Störungen zu erkranken. Denn der hohe Blutzuckerspiegel führt in den wichtigen Organsystemen wie Gehirn, Herz und Niere zu
einer vorzeitigen Gefäßverkalkung und somit schlechteren Durchblutung. Risikofaktoren für Herz- und Kreislauf können in zwei Kategorien eingeteilt werden:
nicht beeinflussbare Risikofaktoren sind:

  • Alter
  • eine gewisse Genetik
  • Geschlecht

Beeinflussbar Risikofaktoren sind:

  • Rauchen
  • Fettstoffwechselstörung
  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Adipositas
  • Bewegungsmangel
  • zu viel Stress

Mehr als die Hälfte aller Diabetiker versterben an einem Herzinfarkt.
Den Infarkt spüren die Patienten zumeist, den Diabetes, der zwar bekannt, aber vielleicht nicht so gut eingestellt war, haben sie nicht so dramatisch verspürt.
Gerade bei Diabetikern verlaufen viele der Herzinfarkte „stumm“, völlig ohne Beschwerden oder nur mit deutlich abgeschwächter Schmerzsymptomatik.
Ein permanent zu hoher Blutzucker kann zu einer Schädigung der Herznerven führen (s. Neuropathie).
Die Schmerzwahrnehmung ist auf diese Weise gestört.
Hier handelt es sich um eines der heimtückischsten Probleme bei Diabetes.
Die chronisch veränderte und verdickte Gefäßwand reißt ein, ein Blutgerinnsel setzt sich auf den Riss und führt so zu einem kompletten Verschluss des Blutgefäßes – der eigentliche Infarkt entsteht.
Ein Arzt kann sich bei Diabetikern daher nicht nur auf typische Angina-Pectoris-Symptome wie Brustschmerzen und Engegefühl verlassen. Er muss gezielt nach Durchblutungsstörungen des Herzens suchen.
Drei Viertel der Patienten mit koronarer Herzerkrankung weisen eine gestörte Glucose-Toleranz in der Laborkontrolle auf. Laut Studienlage ist auch bei bis zu 40 Prozent der Herzoperierten ein Diabetes in Verbindung mit Bluthochdruck die Hauptursache für die Gefäßverkalkung.

Der Schlaganfall:

Ein Schlaganfall ist ein unvermittelt (schlagartig) einsetzenden Ausfall bestimmter Funktionen des Gehirns. Eine Durchblutungsstörung im Gehirn ist meistens dafür verantwortlich. Der Oberbegriff „Schlaganfall“, bezeichnet eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen mit verschiedenen Ursachen, die somit auch unterschiedliche Therapien erfordern.
Je nach Erkrankungsursache spricht man von:
Hirninfarkt:

der Schlaganfall wird durch eine Mangeldurchblutung des Gehirns hervorgerufen, z. B. durch eine Verengung der Halsschlagader
Hirnblutung:

der Austritt von Blut in das Hirngewebe ruft einen Schlaganfall hervor, z. B. ein Riss eines Hirngefäßes aufgrund hohen Blutdrucks.
Die meisten Schlaganfälle gehen auf das Konto eines Hirninfarkts.
typischen Symptome

  • Lähmungserscheinungen
  • Taubheitsgefühl (z. B. in einer Körperseite)
  • plötzliche Sehstörungen (z. B. plötzliches Auftreten von Doppelbildern, Gesichtsfeldausfälle oder ein kompletter Sehverlust auf einem Auge)
  • plötzliche Sprachstörungen
  • Verständnisschwierigkeiten

Auch wenn diese Symptome innerhalb von den nächsten 24 Stunden von selbst verschwinden, sind diese Erscheinungen deutliche Warnzeichen.
Man nennt diese plötzlich auftretenden Attacken auch transitorische ischämische Attacken. (TIA), die durch kleine Schlaganfälle verursacht werden.

Vorsicht ist geboten:
Bei Menschen mit Diabetes ist das Schlaganfallrisiko 2- bis 4-fach erhöht im Vergleich zu Stoffwechselgesunden. Kommt Bluthochdruck hinzu, verzehnfacht sich das Risiko. Sind zudem die Blutzuckerwerte dauerhaft hoch, steigt das Risiko weiter. Menschen mit Typ-2-Diabetes sind besonders schlaganfall-gefährdet. Auch schon auffällige Blutzuckerwerte, die Vorstufe eines Diabetes (Prädiabetes), erhöhen das Risiko.
Ganz besonders gefährlich sind:

  • Bauchfett
  • Bluthochdruck
  • Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels
  • Störungen des Fettstoffwechsels

→ die Gesamtheit dieser Probleme nennt man das „Metabolische Syndrom“
Diabetes ist der Hauptrisikofaktor für einen tödlich verlaufenden Schlaganfall, vor allem bei Frauen.

Therapie:

Am besten begegnen Betroffene dem tödlichen Quartett mit Medikamenten und Lebensstiländerungen zu gleichen Teilen.

Nationale Diabetesstrategie

Positionspapier

WP-Backgrounds by InoPlugs Web Design and Juwelier Schönmann